Gehirngesundheit

Dr. Jeanette Mostert
About the Author

Dr. Jeanette Mostert specializes in Cognitive Neuroscience and Biological Psychiatry and is the Dissemination Manager for several Horizon2020 projects, including CoCA, PRIME and Eat2BeNice/New Brain Nutrition.


1) Definition

Gehirngesundheit beschreibt, wie gut ein Gehirn funktioniert. Gleichzeitig wird es auch als Synonym für psychische Gesundheit benutzt. Ob ein Gehirn gesund ist oder nicht, wird überwiegend durch Verhalten erfasst. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, mit gewöhnlichen Lebenssituationen umgehen zu können, oder auch um die Leistung bei computergestützten Aufgaben. Scans wie Magnetresonanztomografie (MRT) oder Elektroenzephalografie (EEG) können mitunter zur Untersuchung der Gehirngesundheit genutzt werden, jedoch nur in bestimmten Situationen wie zur Identifizierung von Epilepsie, Hirntumoren oder dem Verlust von Neuronen im großen Maße.

2) Beschreibung

Was ist Gehirngesundheit?

Woher weiß man, ob jemand ein gesundes Gehirn hat? Das ist keine einfache Frage. Am häufigsten bedeutet ein gesundes Gehirn das Nichtvorhandensein einer Funktionsstörung. Liegt also keine psychische Störung oder neurologische Erkrankung vor, ist das Gehirn vermutlich gesund. Jemand mit einem gesunden Gehirn oder einer guten psychischen Gesundheit kann mit normalen Lebenssituationen umgehen, verspürt ein allgemeines Wohlbefinden und ist im Stande, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Allerdings sollten wir uns davor hüten, psychische Gesundheit mit Zufriedenheit, Sorglosigkeit und alles unter Kontrolle haben zu verwechseln. Auch Personen mit einem gesunden Gehirn können sich traurig, unwohl, wütend oder unglücklich fühlen [1]. Ein gesundes Gehirn ist ebenfalls nicht mit einem hohen IQ oder einem guten Gedächtnis gleichzusetzen (obwohl ein plötzlicher Abfall des IQ oder Gedächtnisses darauf hindeuten kann, dass etwas nicht stimmt).

Das Gehirn trainieren

Im Allgemeinen sind die Faktoren, die zu einem gesunden Gehirn beitragen, denen sehr ähnlich, die gut für die allgemeine körperliche Gesundheit sind:

  • Regelmäßiger Sport
  • Gesunde Ernährung
  • Ausreichend Schlaf
  • Geringer Stress

Kognitive Funktionen wie Gedächtnis, zwischen Aufgaben hin und her wechseln, automatische Reaktionen unterdrücken und logische Schlussfolgerungen können auch (geringfügig) durch regelmäßiges Üben verbessert werden. In manchen Aspekten kann das Gehirn mit einem Muskel verglichen werden: Es zu benutzen ist die beste Art und Weise, es fit zu halten.

Brainfood – Lebensmittel für ein gesundes Gehirn

Wie der Rest des Körpers benötigt auch das Gehirn Nährstoffe, um funktionieren zu können. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass das Gehirn alle nötigen Nährstoffe erhält. Die Mittelmeerdiät ist ein Beispiel für solch eine gesunde Ernährung. Sie enthält große Mengen an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und nativem Olivenöl. Diese Lebensmittel enthalten die Fette, Vitamine und Mineralien, die unser Gehirn benötigt. Regelmäßiger Konsum von fettreichem Fisch (etwa einmal pro Woche) ist ebenfalls ein Teil dieser Diät. Fische mit hohem Fettgehalt wie Lachs, Makrele, Hering, Sardellen und Sardinen sind reich an Omega-3-Fettsäuren. Diese sogenannten „guten Fette“ sind für eine normale Hirnfunktion unerlässlich [2]. Für Menschen, die keinen Fisch essen, sind Leinsamen eine gute alternative Quelle.

Die Mittelmeerdiät wurde mit einem geringeren Risiko für Alzheimer und Depression in Verbindung gebracht [3] [4]. Die meisten Studien, die diese Zusammenhänge untersuchten, basieren jedoch auf Beobachtungen: Menschen, die angaben, sich gemäß der Mittelmeerdiät zu ernähren, wurden seltener mit Alzheimer oder Depression diagnostiziert als Menschen, die andere Ernährungsstile angaben. Es könnte jedoch viele Faktoren geben, die diesen Unterschied erklären, unter anderem sozioökonomische Gesichtspunkte oder Genetik. Im Rahmen des Eat2beNICE-Projekts untersuchen wir die Auswirkungen der Mittelmeerdiät in einer klinischen Studie, die die Zusammenhänge zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit erfasst.

Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine für die Gehirngesundheit

Zusätzlich zur allgemeinen Ernährung kann es manchmal nützlich sein, Nahrungsergänzungsmittel in Form von Vitaminpillen einzunehmen. Bei Personen ohne psychische Probleme, die sich gesund ernähren, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln die Gehirngesundheit erheblich verbessert. Für Personen mit psychischen Erkrankungen hingegen könnten bestimmte Nahrungsergänzungsmittel in gewissen Fällen von Vorteil sein [5]. Bevor diese jedoch im großen Umfang verschrieben werden können, müssen zunächst die dahinterstehenden Mechanismen besser verstanden werden. Dies kann bei der Entscheidung helfen, wer von welcher Art von Nahrungsergänzungen oder Vitaminen profitieren kann. Im Eat2beNICE-Forschungskonsortium untersuchen wir daher ein breites Spektrum an Nahrungsergänzungsmitteln als Zusatzbehandlung für Menschen mit hoher Impulsivität (ADHS, bipolare Störung).